In Management

Dipl.-Betr. Christian Grotebrune,
UNITY AG, Büren

 

Die zentrale Frage zur zukünftigen Positionierung des Unternehmens: Mit welchen Produkten und Services will ich in Zukunft, mit welchen Kunden, auf welchen Märkten, welchen Erfolg generieren?

Wesentliche Grundlage und Voraussetzung zur Beantwortung der Frage sind ein effizientes Innovations- und zielgerichtetes F&E-Management zur erfolgreichen Positionierung im Wettbewerb. Es kommt darauf an, zukunftsfähige Ideen zu entwickeln, diese zu managen und schließlich die richtigen Ideen zur Vor- und Serienentwicklung zu bringen. Die Bedeutung des Bereichs Innovation und Produktentstehung ist für den Geschäftserfolg immens hoch: mehr als 70 Prozent der zukünftigen Produktlebenskosten werden in der Produktentwicklung festgelegt.

Abb. 1: Festlegungsgrad zukünftiger Produktkosten

Nachstehend werden die wesentlichen 4 Bereiche kurz beleuchtet:

 

  1. Innovationsmanagement

Innovationen gelten als Schlüssel für die Erschließung von Wachstumspotenzialen und die nachhaltige Sicherung des Unternehmenserfolgs. Sie werden als Maß für die Erneuerungsfähigkeit von Unternehmen angesehen. Gute Ideen sind wichtig, aber nicht alles. Denn: Nur Innovation ist Markterfolg. Daher muss erfolgreiches Innovationsmanagement nicht nur effizientes Ideenmanagement beinhalten, sondern sich auch über den gesamten Produktentstehungsprozess, d.h. von der Erkennung von Chancen bis hin zur Gewinnung von Marktanteilen mit neuen Produkten und Diensten, erstrecken. Sämtliche zukünftigen Produkteigenschaften im Kontext Industrie 4.0, die Notwendigkeit der Vernetzung mit anderen Produkten/ Systemen müssen bereits heute vorausgedacht und zukunftsorientiert berücksichtigt werden. Die damit verbundenen Herausforderungen eines angemessenen Produktschutzes zur Absicherung der Ideen und zum Schutz vor Produktpiraterie müssen frühzeitig im Entwicklungsprozess einfließen.

  • Projekt Quick Check:
    Mit einem F&E-Quick Check identifizieren und Bewertung der Potenziale in F&E-Projekten.
  • Projektmanagement für die F&E:
    Speziell auf die Anforderungen der F&E abgestimmtes Projektmanagement etablieren und die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen stärken.
  • Projektsteuerung:
    Operative Projektsteuerung.
  • Wirtschaftlichkeitsanalysen:
    Analyse der F&E-Projekte auf ihre Wirtschaftlichkeit, Identifikation von Kostentreibern und monetäre Bewertung von Potenzialen der Lösungsansätze.

 

  1. Entwicklungsmanagement

Innovationen durch neue Produkte und Services sind für Unternehmen ein entscheidender Schlüssel für eine erfolgreiche Positionierung am Markt. Doch nur jedem dritten Unternehmen gelingt es, seinen Umsatz durch Innovationen zu steigern. Wenn Entwicklungen am Markt erfolgreich sein sollen, bedarf es einer systematischen Verfolgung von Ideen – von der Ideenfindung, über deren Bewertung und Priorisierung für die Produktentwicklung und Umsetzung bis zum messbar erfolgreichen Markteintritt. Durch ein integriertes F&E-Management entlang der gesamten Produktentstehung wird dies ermöglicht.

Für technologie- und serviceorientierte Unternehmen liefern die F&E-Bereiche einen zentralen Beitrag für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen. Hierbei stehen sie zunehmend vor der Herausforderung, mit gleichbleibendem oder rückläufigem Ressourceneinsatz mehr Entwicklungsprojekte mit höherer Komplexität in kürzeren Durchlaufzeiten zu bewältigen. Zunehmend werden hierbei Unternehmens-, Länder- und Kulturgrenzen überschritten. In den frühen Phasen der Innovations- und Entwicklungsprozesse werden Entscheidungen getroffen, welche die gesamte Profitabilität des Unternehmens auf Jahre maßgeblich beeinflussen. Diese Entscheidungen gehen weit über den Entwicklungsbereich hinaus und können nur in enger Abstimmung mit anderen Bereichen, wie z.B. dem Marketing und Vertrieb, dem Qualitätsmanagement, den Partnerunternehmen, der Produktion und dem Einkauf getroffen werden.

Entscheidend ist, das Richtige richtig zu tun!

  • F&E-Prozessoptimierung:
    Prozessstandards, wie z.B. CMMI, SPICE, VDA 6.1, ISO 9001, ISO/TS 16949, sowie Lean-Management einführen.
  • Kennzahlenbasierte F&E-Steuerungskonzepte:
    Kennzahlen und Steuerungsprozesse etablieren, um die F&E-Produktivität gemäß der Unternehmens- und Innovationsziele messbar zu machen und so die Wirksamkeit von F&E-Prozessinnovationen zu steuern.
  • Spezifische F&E-Prozessinnovationen:
    Gestaltung der spezifischen F&E-Prozesse, wie z.B. Anforderungsmanagement, Änderungsmanagement oder Datenbereitstellung, zur Steigerung des wirtschaftlichen Erfolgs.
  • F&E-Aufbauorganisationsgestaltung:
    Optimierung der Aufbauorganisation auf Basis der F&E-Wertschöpfungstiefe sowie der Kernkompetenzen.

 

  1. Systems Engineering

Die Erhöhung der Anforderungen durch Industrie 4.0 steigert die Komplexität technischer Produkte und macht die Veränderung der Geschäftsmodelle hin zu integrierten Produkt- und Service-Kombinationen nötig. Somit sind die Auswirkungen für Unternehmen erheblich: Aus der Produktentwicklung wird eine Systementwicklung. Es gilt, den Lebenszyklus einer kundenorientierten Leistung zu planen, den Business Case abzusichern und sie gemeinsam mit Partnern zu realisieren. Die Beantwortung der vernetzten Fragestellungen und die Beherrschung der neuen Schnittstellen sind große Herausforderungen für etablierte Prozesse und Organisationen.

Systematisches Vorgehen und interdisziplinäres Arbeiten gerade in den frühen Phasen stellt sicher, dass mögliche Fehlerquellen früh erkannt und Risiken reduziert werden, dass Probleme beherrschbar und späte kostenintensive Änderungen vermieden werden.

  • Kundenwertorientierung/ Produkteigenschaftsprofile:
    Basis der Analyse von Markt, Technologie und Wettbewerb, Entwicklung der Konzepte für Produkte und Services von morgen.
  • Service Engineering:
    Sinnvolle Service-Ergänzungen und adäquate Geschäftsmodelle erarbeiten und die Organisation auf das Service-Business vorzubereiten.
  • Varianten- und Gleichteilemanagement:
    Überblick über das Produktportfolio zu behalten, die Produktkomplexität nach innen zu reduzieren und gleichzeitig die Anzahl vom Kunden wahrnehmbarer Varianten zu erhöhen.
  • Produkt- und Herstellkostenoptimierung:
    Etablierung von kostenbewussten Entwicklungsprozessen sowie bei deren Durchführung dedizierte Kostensenkungsmaßnahmen – bei Produkten und der Leistungserbringung von Services.
  • Präventives Qualitätsmanagement:
    Frühzeitige Absicherung der Produktreife durch Maßnahmen des Qualitätsmanagements und frühzeitige Absicherung der Serviceability während der Entwicklung.
  • Technisches Risikomanagement:
    Entwicklungsbegleitende Durchführung von Risikoanalysen und -bewertungen.

 

  1. Informationstechnologie

Die Informationstechnologie (IT) ist ein strategischer Wettbewerbsfaktor, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungen im Kontext „Industrie 4.0“ – die IT-Infrastruktur von Unternehmen, gleich welcher Größenordnung, hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Dieser Trend dauert ungemindert an und wird sich noch beschleunigen; er wird an Bedeutung weiter zunehmen. Eher traditionell geprägte Branchen werden sich durch die IT wesentlich verändern. Um den Anschluss hier nicht zu verlieren, müssen sich Unternehmen auch in diesen Bereichen strategisch neu ausrichten.

Die konsequente Ausrichtung an der Geschäftsstrategie und den operativen Prozessen des Unternehmens sichert den langfristigen Erfolg der IT-Organisation und damit des Unternehmens ab. Eine IT-Strategie basiert konsequent auf den individuellen Unternehmensrahmenbedingungen sowie aktuellen und zukünftigen Anforderungen. Sie bestimmt das Leitbild und legt die Rolle der IT-Organisation fest.

Darüber hinaus sind IT-Systeme in Zeiten von Industrie 4.0, Virtualisierung, Cloud Computing und Big Data keine autonom funktionierenden Einheiten mehr. Stark integriert mit der OT, der Operational Technology, stellen die IT-Systeme komplexe Architekturen dar, die mit anderen Einheiten Informationen austauschen und mit diesen zusammen immer größere IT-Strukturen ergeben. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist, dass Unternehmen heute zunehmend Schwierigkeiten haben, den Überblick über ihre Hard- und Software zu behalten. Hier müssen rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um Unternehmen zukunftsrobust aufzustellen. Damit einher geht die Notwendigkeit, die Budgets für den IT-Bereich weiter anzuheben.

  • Konzeption von übergreifenden F&E-Systembebauungen:
    Analyse der bestehenden Systemlandschaft (inkl. Datenflüsse) auf Optimierungspotenziale und Erarbeiten der zukünftigen Systembebauung, in enger Abstimmung mit Anwendern und dem IT-Bereich unter Berücksichtigung der Sicherheitserfordernisse.
  • Konzeption von spezifischen Systemlösungen und Schnittstellen:
    Aufnahme von Use Cases und zugehöriger Anforderungen für spezifische Problemstellungen und Konzeption passender Lösungsbausteine, z.B. im Bereich Daten- und Simulationsmanagement oder der Zusammenarbeit mit externen Entwicklungspartnern.
  • Konzeption von Lösungskonzepten:
    Konzipieren von Lösungen und Erarbeitung von notwendigen Testplänen und Testszenarien, Pilotierungskonzepten und zugehörigen Abnahmekriterien.